Kapitalbedarf – So wird gerechnet

Was ist das? Der Kapitalbedarf ist exakt der Betrag an liquiden Mitteln, den man benötigt, um ein gewisse Idee oder Projekt zu verwirklichen. In der Regel entsteht der Kapitalbedarf eines Unternehmens aus folgenden zwei Situationen:

1. Die Einzahlungen sind niedriger als die Auszahlungen

Diese erste Situation ist charakteristisch für neu gegründete Unternehmen. Hier ist eine Investition nötig, damit Produkte oder auch Märkte weiterentwickelt werden können, um folglich Neukunden zu gewinnen.

2. Die Ein- und Auszahlungen erfolgen zeitlich getrennt

Dieser Fall betrifft praktisch jedes Unternehmen. Diesbezüglich kann bspw. eine Liquiditätsplanung Transparenz schaffen.

Der Kapitalbedarf ist folglich eine Sollgrösse, die es durch Finanzierung aufzubringen gilt. Typische Ausgaben die den Bedarf begründen kalkuliert man in einer Kapitalbedarfsplanung, auch Kapitalbedarfsrechnung. Das sind bspw. Dienstleistungen, Sachanlagen oder Produkte. Als Gegenstück dazu wird ein Finanzierungsplan erstellt Dieser besteht aus Strategien bezüglich Innen-, Aussen-, Eigen- und Fremdfinanzierungen. Beide Pläne werden in den Businessplan eingebunden, welcher dann potentiellen Investoren vorgelegt wird.

Ein typisches Beispiel für den Kapitalbedarf

Ein Immobilienberater einer Immobiliengesellschaft erbringt einem Kunden im Januar eine Beratungstätigkeit. Anfang Februar stellt dieser Rechnung für die Dienstleistung und erhält die Zahlung Ende Februar. Das Gehalt des Immobilienberaters ist jedoch schon Ende Januar fällig und wird von der arbeitgebenden Immobiliengesellschaft vorfinanziert. Die Rechnung wird ausgeglichen, sobald der Kunde bezahlt hat. In diesem Beispiel entsteht ein Kapitalbedarf aufgrund der Vorfinanzierung des Angestelltengehalts.

Wie viel Kapital ist erforderlich?

Beim Gründen eines Unternehmens gilt: Bevor man den erste Franken verdient, muss man investieren. Grosses Augenmerk sollte unter anderem auf die Wachstumsphase gelegt werden, in der es gilt sein Produkt auf dem Markt durchzusetzen. Das bedeutet neben dem Kapitalbedarf für die Maschinen, Waren, etc. auch einzuplanen, sich günstig in die Marktsituation einzugliedern. Dies kann bspw. durch Werbegelder oder auch dem Anbieten der Produkte zu niedrigem Preis erfolgen. Das Problem ist: bis sich die Unternehmung etablieren kann, fallen meist hohen Kosten an, jedoch kaum Umsätze diese zu decken. Die wichtige Frage ist somit:

Wie viel Kapital ist erforderlich, bis ein Unternehmen läuft?

Dieselbe Frage stellt sich auch bei der potentiellen Erweiterung oder Übernahme eine Unternehmung. Die Bestimmung des Kapitalbedarfs muss in jedem Fall gut durchdacht und präzise ermittelt werden, da allfällige Nachfinanzierungen problematisch sein können.

kapitalbedarf

Wie ermittelt man den Kapitalbedarf?

Hierzu ein Beispiel: Die nachstehende Kapitalbedarfsplanung zeigt die Investitionen vor der Unternehmensgründung. Es ist darauf ausgelegt, dass der Gründer zum gewünschten Zeitpunkt mit der Geschäftstätigkeit beginnen kann. Des Weiteren sind auch die fixen Betriebsausgaben des ersten Monats verzeichnet.

Das Erstellen des vollständigen Kapitalbedarfs einer Unternehmensgründung ist allerdings nur dann möglich, wenn man durch Einlesen der monatlichen/jährlichen Zuflüsse und Ausgaben, einen Finanzplan erstellt. Der Unternehmer kann dann eine allfällige Kapitalüberdeckung oder –unterdeckung erkennen. Aus dieser Aufstellung folgt der Finanzierungsbedarf.

Kapitalbedarf Anlage- und Umlaufvermögen

=    Kapitalbedarf Umlaufvermögen: CHF 40‘000

=    Kapitalbedarf Anlagevermögen: CHF 37‘000

Kapitalbedarf für betriebliche Mittel im ersten Monat

Aufsummiert ergibt sich einen Kapitalbedarf für Betriebsausgaben von CHF 4‘190.

Private Ausgaben für den ersten Monat

Der Kapitalbedarf für privates Ausgaben ist somit CHF 3‘900.

Insgesamt wird also mit einen Kapitalbedarf von CHF 85‘090 gerechnet.
Die Aufwendung dieser Mittel ist Gegenstand der Finanzierung.

Bemerkungen zum Kapitalbedarf

Nimmt man an, dass ein Unternehmen nach bereits einem Jahr Gewinne erzielt, sollte die Kapitalbedarfsrechnung auf jeden Fall für das erste Jahr gemacht werden. Es ist jedoch üblich, die Rechnung sicherheitshalber auch für das darauffolgende Jahr zu machen.

Bei der Kapitalbedarfsplanung kann es durchaus hilfreich sein, externe Berater oder Business Angel miteinzubeziehen. Sie sollten jedoch wirklich nur als Berater fungieren und nicht die vollständige Planung durchführen. Grund dafür ist, dass Unternehmer vollständig informiert sein müssen und von den verwendeten Zahlen Kenntnis haben. Immerhin geht es um das eigene Geschäft.

Schlussendlich geht es bei der Planung darum, das Risiko der finanziellen Unterdeckung und der daraus resultierenden aufwendigen Fremdfinanzierung zu minimieren.

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