Erfolgreich in die Zukunft mit Visionen

«Wenn Sie Visionen haben, sollten Sie den Hausarzt aufsuchen.» Der Satz stammt vom ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt. Allerdings hat er dabei eher scherzhaft an Halluzinationen gedacht als an den nötigen Weitblick von Unternehmern.

Eine Metapher

«Stellen Sie sich ein Hochhaus vor. Unten im Erdgeschoss arbeiten Menschen an Maschinen, reden mit Kunden oder kümmern sich um den Zustand des Empfangsraums. Dann gehen Sie in den vierten oder fünften Stock. Dort sitzen die Vorgesetzten und kümmern sich im mittleren Management um das operative Geschäft. Sie erstellen Monatspläne oder lösen Probleme, mit denen das Erdgeschoss überfordert ist. Und jetzt gehen Sie ganz rauf, direkt unter das Dach. Dort, im Reich der dicken Teppiche, sitzen diejenigen mit den dicksten Autos. Und jetzt überlegen Sie, was die Menschen in diesem Unternehmen sehen, wenn sie aus dem Fenster schauen. Aus dem Erdgeschoss sieht man nicht sehr weit, während vom Dachgeschoss der Blick bis zum Horizont geht. Und so soll es auch auf der Zeitachse sein. Wenn sich Teppichetage mit dispositiven Kleinigkeiten beschäftigt, macht sie ihren Job nicht richtig. Und keinesfalls sollte es so sein, dass man sich im Erdgeschoss fragt, wohin denn langfristig die Reise gehen soll.» (einst erzählt von einem erfahrenen Verwaltungsratspräsidenten).

Ein Beispiel

An diesem Meeting in einem IT-Unternehmen schrieben wir etwa das Jahr 1986. Wie immer, verlangten die Verkäufer nach neuen Produkten mit mehr Leistung und neuen Möglichkeiten. Es ging bei diesem Treffen um die ASCII-Bildschirme, die damals in der Lage waren, 1920 Zeichen abzubilden. Monochrom, allerdings in modernstem Gelb, nicht wie alle anderen in grün. Und was sagt der oberste Marketingleiter? «Vergesst es. Keine Firma wird je Geld ausgeben für farbige Schriftzeichen. Und wenn unsere Kunden Bilder sehen wollen, können sie ja ins Kino gehen. Dort sind die Bilder sogar bewegt. Oder will hier ernsthaft jemand behaupten, es gebe einen Bedarf an bewegten, farbigen Bildern an einem Bildschirmarbeitsplatz??».

Noch eine Metapher

Bergsteiger sind Visionäre. Stundenlang setzen sie einen Fuss vor den anderen, und mindestens in der Endphase des Aufstiegs leiden sie. Sie ertragen den ständig schwerer werden Rucksack und die Schmerzen nur mit dem Gedanken an den Gipfel. Sogar wenn das Wetter schlecht wird, geben sie nicht auf und ändern lieber die Route, um das Ziel doch noch erreichen. Man kann sich unschwer vorstellen, wie Menschen in schwierigen Situationen agieren würden, wenn sie kein Ziel vor Augen hätten. Sozusagen mit der Vorgabe «Wir laufen mal ein Stück in die Gegend und schauen, wo wir hinkommen.»

Und noch ein Beispiel

Plastikmüll ist zu einem der grössten Probleme der Umwelt geworden – vor allem in den Weltmeeren. Die 16 jährige Ägypterin, Azza Abdel Hamid Faiad, hat sich zum Ziel gemacht die Polymere im Plastikmüll durch Katalysatoren zu Biotreibstoff abbauen. Dieses Prinzip ist an sich ist keine neues, aber mit Alumosilikat, hat Azza einen ausserordentlich effizienten Katalysator gefunden.

Azza erhielt für ihre Entdeckung den European Fusion Development Agreement Award für junge Wissenschaftler. Das Verfahren könnte dabei helfen, nicht nur die grossen Plastikberge verschwinden zu lassen, sondern gleichzeitig wertvolle Gase wie Methan, Propan und Ethan zu gewinnen. Daraus lässt sich wiederum der Biotreibstoff Ethanol verarbeiten.

Philosophisches

Was ist der Sinn des Lebens? Nietzsche sagt «Das Leben an sich hat keinen Sinn.». Dem Individuum ist es freigestellt, in seiner Existenz einen Sinn zu finden und Träume zu haben. Unternehmer jedoch haben die Verantwortung, über die langfristige Zukunft nachzudenken und Visionen zu entwickeln. Wenn sie das nicht tun, müssen sie sich nicht wundern über resignierte Mitarbeitende, die nur das Nötigste tun, um nicht gerade ihren Job zu verlieren. Dass das nicht erfunden ist, zeigte eine Umfrage in der Bundesrepublik, wo ca. 40 Prozent angaben, genau so viel zu arbeiten, dass sie nicht auf der Strasse landen.

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