Banken: Brauchen wir sie noch?

Seit 1995 sind in der Schweiz von gut 400 Banken noch etwa 250 übrig geblieben. Vor dem Hintergrund von Digitalisierung und alternativen Währungen stellt sich die Frage, ob wir die Banken in ihrer bisherigen Form überhaupt noch brauchen.

Wozu brauchen wir Banken?

Banken erfüllen verschiedenste Aufgaben. Dabei ist zu unterscheiden zwischen den Dienstleistungen für den einzelnen Kunden und den Leistungen für die Volkswirtschaft als Ganzes. Der einzelne Kunde braucht die Bank für seinen Zahlungsverkehr, für die Aufnahme eines Kredits oder zum Sparen. Aus volkswirtschaftlicher Sicht interessanter ist langfristig die Frage, wie wir mit Fragen im Zusammenhang mit den sogenannten systemrelevanten Grössen dieser Branche umgehen werden.

Die Zukunft des klassischen Retailgeschäfts

Der Zahlungsverkehr ist aus der Sicht der Bank weitgehend automatisiert, indem via E-Banking der Erfassungsaufwand an den Kunden delegiert wird. Für die Bank ist das kein grosses Geschäft, und der Kunde ist auch nicht bereit, für die entsprechende Infrastruktur zu bezahlen. Aus technischer Sicht wäre es aber kein grosses Problem, die Funktion der Bank als Hub bzw. als Mittler durch eine Peer-to-Peer zwischen Zahler und Empfänger zu ersetzen. In den USA haben erste Unternehmen bereits mit der Ausgabe von eigenen Währungen begonnen (Beispiel: MacCoin von McDonalds).

Was im Zahlungsverkehr funktioniert, geht erst recht bei der Kreditvergabe und dem Sparen. Weil hier die Anzahl der Transaktionen im Verhältnis zu den Beträgen noch günstiger ist, wartet hier ein grosses Sparpotenzial auf die bisherigen Bankkunden. Um das zu veranschaulichen, genügt ein Blick auf die Differenz der Hypothekar- zu den Sparzinsen. Spezialisierte Plattformen bieten neben der Kosteneffizienz zusätzlich einen Sicherheitsvorteil, indem bei einer Bankpleite zum Beispiel direkt auf die verpfändete Immobilie zugegriffen werden kann – was heute nicht der Fall ist. Vielmehr verlassen sich die Sparer heute auf eine Staatsgarantie, die faktisch alles Andere als eine echte Garantie ist.

Die Hilflosigkeit der Finanzmarktaufsicht

Die Finanzmarktaufsicht sorgt dafür, dass die Geschäftsbanken ihre Bilanzen nicht bis zu ungesunden Dimensionen «aufblasen». Bspw. müssen die Banken genügend Eigenkapital halten, um im Krisenfall ihren Verpflichtungen nachkommen zu können. Das tut sie mit Vorgaben über Mindestgrössen bei den Eigenmitteln. Allerdings kann sie kaum verhindern, dass die Banken – unterstützt durch die Digitalisierung – mit immer neuen Verschachtelungen und selber geschöpftem Geld die Grenzen der Bankbilanz längst gesprengt haben. In einem Katz-und-Maus-Spiel gelingt es ihnen immer wieder, den Sinn der Vorschriften zu unterlaufen und risikolos Geld zu verdienen. Denn sie profitieren von einer impliziten Staatsgarantie – die im Gegensatz zur Sicherung der Sparguthaben des «Kleinen Mannes» nicht limitiert ist. Die Verlierer in diesem Spiel sind wie immer ihre Kunden und die Steuerzahler. Wie dieses Problem aus der Welt zu schaffen wäre, wird nachstehend skizziert.

Solvenzregeln statt Eigenmittelvorschriften

Von Jonathan McMillan stammt die Idee einer systemischen Solvenzregel. Im Prinzip ist sie eine schlichte Buchhaltungsregel: Der Gesamtwert der Realvermögen muss dem Wert der Verbindlichkeiten in einer Worst-Case-Finanzanlage entsprechen. Das tönt nicht völlig neuartig. Wesentlich ist nur der Unterschied, dass es um Realvermögen geht und die Finanzanlage in den Aktiven nicht mitgezählt werden. Die Auswirkungen wären jedoch für die Banken enorm (für eine Industriefirma wären sie vernachlässigbar). Und so einschneidend sie für den Finanzsektor wären, so positiv wären sie für die Volkswirtschaft. Es gäbe keine Dominoeffekte bei Pleiten mehr, sowie keine Systemrelevanz von aufgeblasenen Bankbilanzen.

Konklusion

Die Existenz der Notenbanken dürfte in den nächsten Jahren trotz des Auftauchens von digitalen Währungen nicht zur Diskussion stehen. Die Geschäftsbanken werden jedoch weiterhin unter existenziellem Druck stehen und neue Geschäftsmodelle erfinden müssen, um im digitalen Umfeld eine Berechtigung beanspruchen zu können. Die klassischen Funktionen im Bereich des Sparens und der Kreditvergabe sowie beim Zahlungsverkehr sind keine genügende Grundlage mehr. Einen Lichtblick bietet allenfalls die Anlageberatung, wobei auch dieser Kuchen eher kleiner wird. Dafür gibt es zwei Gründe. Einerseits wird das Massengeschäft durch Technologie nicht ganz automatisiert, aber sehr weitgehend unterstützt. Und andererseits haben die Kunden gemerkt, dass der Bankberater nicht gleichzeitig seinen Kunden neutral beraten und die Interessen seines Arbeitgebers wahrnehmen kann. Die Banken müssen sich also sehr gut überlegen, wie sie es schaffen, eine Klientel von handverlesenen Kunden umfassend und auf höchstem Niveau zu pflegen.

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