Wann eignet sich eine Kollektivgesellschaft?
Die Form der Kollektivgesellschaft wird häufig gewählt, wenn mehrere Personen ein Kleinunternehmen zusammen führen wollen. Durch einen Gesellschaftsvertrag schliessen sie sich zu einer Personengesellschaft zusammen und müssen sich ins Handelsregister eintragen lassen. Typische Beispiele sind Restaurant- und Handwerkerbetriebe sowie Anwaltskanzleien.
Bei der Geschäftsführung unterscheidet man zwischen dem Innen- und dem Aussenverhältnis:
Beim Aussenverhältnis handelt es sich um die Vertretung der Gesellschaft nach aussen. D.h. man definiert, in welchem Ausmass einzelne Gesellschafter die Kollektivgesellschaft nach aussen vertreten können. Man spricht von der Vertretungsmacht.
Das Innenverhältnis beschreibt die effektive Geschäftsführung. Anders ausgedrückt, es definiert, inwiefern die Vertretungsmacht tatsächlich ausgeübt werden kann.
Falls nichts anderes beschlossen wurde, sind bei einer Kollektivgesellschaft alle Gesellschafter gemeinsam für die Geschäftsführung verantwortlich.
Wer haftet bei einer Kollektivgesellschaft?
Primär haftet die Kollektivgesellschaft mit dem Gesellschaftsvermögen. Darüber hinaus sind sämtliche Gesellschafter unbeschränkt und solidarisch, das heisst gemeinsam, mit ihrem privaten Vermögen haftbar. Die Haftungsfrage ist eine wesentliche Überlegung bei der Wahl der Gesellschaftsform. Es ist wichtig, die Haftungsaspekte im Vierundzwanzigsten Titel des Obligationenrecht (OR) genauer zu betrachten.
Namen des Unternehmens bei einer Kollektivgesellschaft
Den Firmennamen eine Kollektivgesellschaft kann man beliebig wählen. Anders als bspw. beim Einzelunternehmen können auch Fantasienamen und Ähnliches verwendet werden. Vorausgesetzt ist jedoch, dass der Namen der „Wahrheit“ entspricht und keine Verwirrung oder Täuschung verursacht. Um mögliche Probleme mit dem Firmennamen von vornherein zu verhindern, ist es sinnvoll, wenn man sich von einem Sachverständigen oder Rechtsanwalt beraten lässt. Zusätzlich zum gewählten Namen kommt der Zusatz „Kollektivgesellschaft“ oder dessen Abkürzung „KlG“.

Besteuerung
Die Kollektivgesellschaft an sich ist nicht steuerpflichtig. Die einzelnen Gesellschafter werden aber für ihr Einkommen und Vermögen besteuert. Dazu gehören sowohl der Lohn, als auch Gewinnanteile und Kapitalzinsen. Es empfiehlt sich für Kollektivgesellschaften in jedem Fall eine doppelte Buchhaltung zu führen.
Die KlG wird ab einem Jahresumsatz von CHF 100‘000 mehrwertsteuerpflichtig.
Ausstieg
Möchte eine Kollektivgesellschaft auf jemand anders übertragen werden, ist dies nur mit Zustimmung aller Gesellschafter möglich. Ist diese gewährleistet, werden der Geschäftsbetrieb, sowie sämtliche Aktiva und Passiva übergeben. Anders als beim Einzelunternehmen, kann der Firmenname unbegrenzt weiterverwendet werden.
Bewertung der Gesellschaftsform
Kollektivgesellschaften haben diverse Vor- und Nachteile. Aufgrund der Situation sollte man die folgenden Punkte gem. seiner Ausgangslage bewerten.
Das sind die Vorteile der Kollektivgesellschaft…
- Simple Organisation der Geschäftsleitung
- Keine Mindestkapitalanforderung
- Tiefe Gründungskosten
- Keine Doppelbesteuerung
… und das die Nachteile
- Sowohl private, solidarische Haftung der Gesellschafter
- Zwei Gesellschafter sind vorausgesetzt
- Erfordert hohes Vertrauen zwischen den Gesellschaftern
- Entscheidungsfindung kann aufgrund verschiedener Meinungen erschwert sein
- Fremdkapitalbeschaffung ist erschwert
Fazit Kollektivgesellschaft
Die Kollektivgesellschaft ist eine attraktive Rechtsform für Kleinunternehmen, die eine gemeinsame Führung und Haftung durch die Gesellschafter bevorzugen. Da die Gründung kostengünstig ist, stellt sie eine gute Alternative zur GmbH und AG dar, jedoch ist zu berücksichtigen, dass beiden Gesellschafter solidarisch und unbeschränkt mit dem privaten Vermögen haften. Eine Kollektivgesellschaft sollte nur gewählt werden, wenn das Vertrauen untereinander gross ist und die Zusammenarbeit sehr gut funktioniert. Schlussendlich ist der Entscheid für die Kollektivgesellschaft von verschiedenen individuellen Aspekten abhängig und man sollte sich aus privater, wie aus geschäftlicher Sicht überlegen, ob die Gesellschaftsform für den Zweck passend ist.
Häufig gestellte Fragen
Was ist eine Kollektivgesellschaft?
Eine Kollektivgesellschaft (KlG) ist eine Personengesellschaft, die von mindestens zwei Personen gemeinsam gegründet wird, um ein Unternehmen zu führen. Sie eignet sich besonders für Kleinunternehmen wie Handwerksbetriebe, Restaurants oder Anwaltskanzleien. Die Gründung erfolgt durch einen Gesellschaftsvertrag und den Eintrag ins Handelsregister.
Wer haftet bei einer Kollektivgesellschaft?
Zunächst haftet die Kollektivgesellschaft mit ihrem Gesellschaftsvermögen. Reicht dieses nicht aus, haften alle Gesellschafter unbeschränkt und solidarisch mit ihrem Privatvermögen. Deshalb ist ein grosses gegenseitiges Vertrauen zwischen den Gesellschaftern besonders wichtig.
Wie wird eine Kollektivgesellschaft geführt?
Bei der Geschäftsführung wird zwischen Innenverhältnis und Aussenverhältnis unterschieden. Das Aussenverhältnis regelt, wer die Gesellschaft nach aussen vertreten darf, während das Innenverhältnis die tatsächliche Geschäftsführung zwischen den Gesellschaftern festlegt. Wurde nichts anderes vereinbart, sind alle Gesellschafter gemeinsam für die Geschäftsführung verantwortlich.
Wie wird eine Kollektivgesellschaft besteuert?
Die Kollektivgesellschaft selbst ist nicht steuerpflichtig. Stattdessen versteuern die einzelnen Gesellschafter ihren Lohn, Gewinnanteile, Kapitalzinsen sowie ihr Vermögen persönlich. Ab einem Jahresumsatz von CHF 100'000 besteht zudem Mehrwertsteuerpflicht.
Welche Vorteile bietet eine Kollektivgesellschaft?
Zu den wichtigsten Vorteilen zählen die einfache Organisation, tiefe Gründungskosten, kein gesetzlich vorgeschriebenes Mindestkapital sowie der Wegfall einer Doppelbesteuerung. Dadurch eignet sich die Kollektivgesellschaft besonders für kleinere Unternehmen mit mehreren Inhabern.
Welche Nachteile hat eine Kollektivgesellschaft?
Die grössten Nachteile sind die unbeschränkte persönliche Haftung aller Gesellschafter, die notwendige enge Zusammenarbeit und das gegenseitige Vertrauen. Zudem kann die Entscheidungsfindung durch unterschiedliche Meinungen erschwert werden, und die Aufnahme von Fremdkapital gestaltet sich häufig schwieriger.




