Work-Life-Balance: ein Ding der Unmöglichkeit?

Was ist Arbeit?

Auf den ersten Blick ist jedermann klar, was der Begriff bedeutet. Aus klassischer Sicht ist Arbeit neben Kapital, Boden, Ressourcen und Wissen der wichtigste Produktionsfaktor. Die Sozialwissenschaft aber beschreibt Arbeit als bezahlte Erwerbstätigkeit. Demgegenüber träumen Philosophen von «bewusstem schöpferischem Handeln des Menschen».  Ob eine Person, die auf dem Bahnhof Toiletten reinigt, das auch so sieht, darf man allerdings bezweifeln.

Arbeit vs. Leben

Der Begriff «Work-Life-Balance» impliziert, dass Arbeit und Leben zwei verschiedene Dinge sind, die irgendwie in einem Gleichgewicht gehalten werden können. Überspitzt gesagt, soll das krankmachende und lusttötende Übel der Arbeit so dosiert werden, dass daneben das angenehme, schöne Leben und die Gesundheit nicht zu kurz kommen.

Macht Arbeit krank?

Wer es fertigbringt, Arbeit als bewusstes schöpferisches Handeln zu erleben, wird davon nicht krank – im Gegenteil. Hausärzte können ein Lied von Rentnern singen, die von einem Tag aus dem Erwerbsleben gerissen werden und zu Hause herumnörgeln, weil sie mit ihrer Zeit nichts Sinnvolles anzufangen wissen.

Ganz anders sieht es jedoch aus, wenn Arbeit und Stress zur Last werden. Betroffene kommen spät am Abend erschöpft nach Hause und können trotz Übermüdung nicht schlafen. Dieser Teufelskreis macht auf Dauer krank, und er ist auch der Fokus des Ansatzes «Work-Life-Balance».

Bedürfnisse und Gesundheit

Die Bedürfnispyramide von Maslow ist allgemein bekannt. Körperliche sowie mentale Gesundheit bedingt eine angemessene Erfüllung dieser Ansprüche. Eines der wesentlichsten Probleme in der heutigen Arbeitswelt ist der Mangel an Freiraum. Schon Peter Drucker hat darauf hingewiesen, dass sogar Führungskräfte pro Arbeitstag kaum mehr als eine Stunde dafür verwenden können, wirklich frei etwas zu unternehmen. Während der anderen Zeit spielen sie Feuerwehr oder nehmen andere Aufgaben in reaktiver Form wahr. Dieser Druck führt zu ständiger Anspannung, und das zunehmend in einem zeitlichen Ausmass, das weit weg von gesetzlichen Arbeitszeitvorschriften liegt.

Gesund leben

Nach all dem Geschriebenen müsste man meinen, dass gestresste Menschen ihre Freizeit so gestalten, dass Ausgleich geschaffen wird. Und was tun die meisten? Sie übertragen nichtsdestotrotz die disziplinierte Vorgehensweise aus dem Berufsalltag in ihre Privatleben. Der Kalender ist randvoll mit Verpflichtungen aller Art – vom Schwachstrommarathon bis zum hektischen Wochenende in einer weit entfernten Hauptstadt. Was im Kalender fehlt, ist die Leere. Das Nichts. Die Musse. Mit anderen Worten: das Fitnesstraining für die Seele. Von Kindern könnten wir wieder lernen, ein paar Stunden lang herumzuhängen, Sinnloses zu unternehmen, planlos durch einen Wald zu laufen.

Wo anfangen?

Wer die Welt ändern will, fängt am besten bei sich selber an. Es kann sich lohnen, folgende Fragen schonungslos zu beantworten oder – noch besser – sich von jemandem beantworten zu lassen:

Niemand wird nach Beantwortung dieser Fragen schlagartig ein neues Leben haben. Aber wäre eine Stunde pro Tag an zusätzlichem Freiraum nicht ein guter Anfang?

Nimm dir Zeit zum Arbeiten, es ist der Preis des Erfolges.
Nimm dir Zeit zum Denken, es ist die Quelle der Kraft.
Nimm dir Zeit zum Spielen, es ist das Geheimnis ewiger Jugend.

Nimm dir Zeit zum Lesen, es ist der Brunnen der Weisheit.
Nimm dir Zeit zum Träumen, es bringt dich den Sternen näher.
Nimm dir Zeit zu lieben, es ist der Reichtum des Lebens.

Nimm dir Zeit dich umzuschauen, der Tag ist zu kurz, um selbstsüchtig zu sein.
Nimm dir Zeit zum Lachen, es ist die Musik der Seele.
Nimm dir Zeit, freundlich zu sein, es ist der Weg zum Glück.

–  Aus Irland

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