Kontenplan – Aufbau und Nutzen

Eine ordnungsgemäße Buchführung zählt zum Einmaleins der Unternehmensführung, denn nur so lässt sich ablesen, ob das Unternehmen auch tatsächlich wirtschaftlichen Erfolg hat. Eine wichtige Rolle in der Buchhaltung von KMUs spielt der sogenannte Kontenplan. Ist dieser optimal an das jeweilige Geschäftsmodell angepasst, können Sie spannende Aussagen über den künftigen Geschäftsverlauf treffen. Dritte können sich zudem rasch einen Überblick über die finanzielle Lage der Firma verschaffen.

Beim Kontenplan handelt es sich um eine Liste aller in der Buchhaltung potenziell verwendeten Buchhaltungs-Konten. Wer verschiedene Monats- und Jahresabschlüsse miteinander vergleichen will, sollte seine Buchhaltung angemessen organisieren und sich gleichzeitig am Kontenplan orientieren.

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Kontenplan vs. Kontenrahmen

Der Kontenplan ist ein wesentlicher Bestandteil der doppelten Buchführung. Dabei handelt es sich um ein Verzeichnis, in dem die Konten von KMUs festgehalten werden. Dieser Kontenplan erfasst alle buchhalterisch relevanten Konten des jeweiligen Unternehmens im Kontenrahmen. Der Kontenplan lässt sich individualisieren, um den Bedürfnissen der Buchenden zu entsprechen. Allerdings müssen Buchende darauf achten, die Vorgaben des genutzten Kontenrahmens einzuhalten. Nach Bedarf können die im Kontenrahmen enthaltenen Kategorien weiter aufgegliedert werden.

Merke: Ein Kontenrahmen ist also ein einheitliches Verzeichnis sämtlicher Buchführungskonten für eine Branche, während Kontenpläne die Buchführungskonten des jeweiligen Unternehmens festhalten. Der Kontenplan ermöglicht den Vergleich verschiedener Monats- und Jahresabschlüsse, während der Kontenrahmen den Vergleich mit anderen Unternehmen desselben Wirtschaftszweiges ermöglicht.

Wie ist ein Kontenrahmen aufgebaut?

In der Schweiz gibt es den offiziellen KMU Kontenrahmen. Dieser besteht aus insgesamt neun Kontenklassen, verschiedenen Kontenhauptgruppen sowie Kontengruppen. Die einzelnen Konten im KMU sind ein weiterer wesentlicher Bestandteil und bestehen jeweils aus vier Ziffern. Der Kontenrahmen ist nach dem Abschlussgliederungsprinzip aufgebaut und schafft die Grundlage für die Bilanz und die Erfolgsrechnung eines Unternehmens. Mit diesem Aufbau unterscheidet sich der Schweizer KMU Kontenrahmen etwas vom Aufbau in anderen Ländern wie Deutschland oder Österreich.

In der Buchhaltung haben sich also je nach Land verschiedene Kontenrahmen etabliert. Im Kontenplan finden darüber hinaus Individualisierungen statt. Wie der jeweilige Kontenplan einer Firma aussieht, hängt stark vom Geschäftszweig und den Bedürfnissen des Betriebs ab. In KMU werden deshalb auch besondere Ansprüche an den Kontenplan gestellt.

Zum Standard-Werk für kleine und mittlere Unternehmen gehört der Schweizer KMU Kontenrahmen von Sterchi, Mattle und Helbling. Die überarbeite Version aus dem Jahr 2013 ist hier verfügbar. Dieser Standard bietet eine übersichtliche und einheitliche Finanzstruktur. Das ist ein großer Vorteil für alle Beteiligten und sorgt für maximale Transparenz. Im Gegensatz zum Schweizer KMU kommt der alte Kontenrahmen von Prof. Käfer immer seltener zum Einsatz. Das liegt daran, dass dieser sich nicht mehr an den aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen orientiert.

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Ausschnitt des Schulkontenrahmens von https://www.veb.ch/

Individueller Kontenplan trotz Standard KMU möglich

Wenn Sie sich bei Ihrem Kontenplan an einem Standard orientieren, bedeutet das keineswegs, dass sie keine Anpassungsmöglichkeiten haben. Innerhalb des KMU Kontenrahmens können individuelle und branchenspezifische Bedürfnisse berücksichtigt werden. Zwar gilt KMU als Standard-Werk, allerdings bietet er dennoch ausreichend Spielraum für die Individualisierung des Kontenplans für die Buchhaltung. Im Kontenplan sind alle relevanten Einzelkonten mit der dazugehörigen Nummer zu finden. Durch den Aufbau des Kontenrahmens wird übrigens die Kategorisierung der einzelnen Konten deutlich.

Warum sich die Individualisierung des Kontenplans lohnt

Jedes Unternehmen ist speziell und einzigartig. Je nachdem, was die jeweilige Geschäftsidee ist und welche Geschäftsfälle vorliegen, bietet sich ein anderer Kontenplan an. Die Buchhaltung hat die Aufgabe genau diese Individualität eines Unternehmens abzubilden. Je genauer die Buchführung erfolgt, desto aussagekräftiger und spannender sind die aufbereiteten Zahlen. Erst dann erlauben diese nämlich die Vorhersage von Geschäftsverläufen und den Vergleich von verschiedenen Jahresabschlüssen.

Auf die Abschlussbilanz und Gewinnermittlung lässt sich die moderne Finanzbuchhaltung längst nicht mehr reduzieren. Im Gegenteil – die Buchhaltung von heute dient zur aktiven Steuerung der Geschäfte. Die erhobenen Daten eignen sich für Liquiditätsvorschauen, Planbilanzen und viele andere umfangreiche Analysen. Eine ordnungsgemäße Buchhaltung zeigt Lösungsmöglichkeiten auf, ermittelt finanzielle Tendenzen und alarmiert bei Problemen. Die wichtigste Grundlage hierfür bietet der individuell angepasste Kontenplan.

Lassen Sie sich bei der Auswahl des richtigen Kontenplans beraten

In der Schweiz wird meist der Standard Kontenrahmen KMU genutzt. Innerhalb dieses Kontenrahmens lässt sich der Kontenplan individuell anpassen. Doch Achtung: Die Anpassung des eigenen Kontenplans beeinflusst Ihre gesamte Buchführung der nächsten Jahre, weshalb diese Entscheidung nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte. Machen Sie sich also ausreichend Gedanken zu dem Thema und lassen Sie sich am besten von einem Treuhänder beraten.

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